Sicherheit auf Skitouren
Skitouren werden immer beliebter, von jung bis alt. Wer mit dem Skibergsteigen beginnen möchte, sollte sich am Anfang von einem Bergführer oder erfahrenen Tourengeher begleiten lassen. Gewisse Grundkenntnisse und ein Gefühl für die Wetter- und Schneebeschaffenheit sind erforderlich, um selbst einmal sicher unterwegs sein zu können.
Wissen für die Tourenplanung
Skitouren werden immer beliebter, von jung bis alt. Wer mit dem Skibergsteigen beginnen möchte, sollte sich am Anfang von einem Bergführer oder erfahrenen Tourengeher begleiten lassen. Gewisse Grundkenntnisse und ein Gefühl für die Wetter- und Schneebeschaffenheit sind erforderlich, um selbst einmal sicher unterwegs sein zu können.
Werden die folgenden Grundregeln beachtet, sollte einem herrlichen Winter-Bergerlebnis nichts mehr im Wege stehen.
Erklärung der Schwierigkeitsstufen
- leicht: freie, breite Hänge von mäßiger Steilheit (bis 20°), Richtungsänderungen im Tiefschnee zumindest Stemmbogen müssen beherrscht werden.
- mittel: freie, aber steile Hänge (20 bis 25°), bewaldete oder felsdurchsetzte Hänge von mittlerer Steilheit. Der parallele Tiefschneeschwung sollte beherrscht werden.
- schwer: freie, sehr steile Hänge (30° bis 50°), steile fels- und walddurchsetzte Hänge, enge Steilrinnen. Kurzschwünge müssen auch im steilen Gelände beherrscht werden. Hänge über 30° sind generell als lawinengefährdete Hänge einzustufen.
Wichtige Telefonnummern
- Bergrettung: 140
- EU-Notruf: 112
- Lawinenlage: 0662-1588
TIPP: Hat das Handy keine Netzverbindung, folgende Empfehlung: Anstelle des PIN die 112 eingeben und dann die 112 anrufen (geht auch ohne SIM-Karte). Damit erhält man unabhängig vom eigenen Netzbetreiber (z.B. A1) Verbindung mit jedem beliebigem anderen Netz, vorausgesetzt es gibt eine Verbindung.
Tourenplanung ist wichtig!
Unbedingt vor jeder Schitour etwas Zeit nehmen und folgende Sachen überprüfen:
Örtlichkeiten / Kartenmaterial:
- Kenne ich die Gegend der geplanten Tour oder brauche ich Karte bzw. Tourenführer?
- Aufstiegsplanung; bei Erstbesteigung immer Karte und Beschreibung mitnehmen; sowie Kompass und Höhenmesser. Das hilft auch beim Identifizieren der umliegenden Bergwelt!
- Abfahrt: Welche Hangrichtung ist anhand der Wetter- und Lawinenbedingungen sowie Sonneneinstrahlung günstiger? Will man unnötige Probleme (Verirren, Absturz, ungangbares Gelände) vermeiden, sollte man die Abfahrt immer entlang der Aufstiegsspur durchführen.
Wetter und Schneeverhältnisse:
- Welches Wetter war in den letzten Tagen und wie hat sich das auf die Schneebeschaffenheit ausgewirkt?
- Welches Wetter ist heute? Gibt es starke Veränderungen? Warme Kleidung oder eher Sonnenschutz erforderlich?
- Wie ist die Schneelage und Schneebeschaffenheit im Tourengebiet? Gibt es in der Nähe Webcams oder Schigebiete mit Angaben zur Schneelage?
- Welche Windrichtung? Ist Wetterwechsel Sonne/Regen/Schneefall/Nebel zu befürchten oder herrscht eine stabile Wetterlage?
Lawinengefahr und Unfallvorsorge:
- Lawinenwarndienst - aktuelle Gefahrenstufe über Internet oder Telefon abfragen. Steilheit der Hänge und Lage der Hänge beachten.
- Bergrettung: Immer Tel.-Nr. der lokalen Bergrettung mitnehmen. Sowie globale Notrufnummer. Damit man nicht suchen muss, wenn man Hilfe rufen möchte.
- Erkundigungen vor Ort über die örtlichen Gegebenheiten, Auskünfte gibt es bei Gendarmerie, Gemeindeamt, Verkehrsverband, Schischulen und Bergführer, Bergrettung.
Ausrüstung überprüfen: Die Checkliste für Skitouren findest du im Artikel „Checkliste für Skitouren“.
Bei entsprechender Lawinengefahr Lawinensuchgerät, Lawinenairbag sowie Schneeschaufel nicht vergessen. Lawinensuchgerät immer neue Batterien einlegen und vor Beginn der Tour einschalten. Nicht vergessen mit dem Lawinensuchgerät zu üben, damit man im Ernstfall nicht erst die Bedienungsanleitung lesen muss.
Auch das Handy sollte immer frisch geladen sein (bei kalten Temperaturen wird die Batterie schneller leer). Handy funktioniert allerdings nicht überall im Gebirge. Notrufnummern vor Start einprogrammieren.
Allgemeines zu Firnschnee-Touren
Wenn tagsüber im späten Winter oder im Frühjahr die Sonne die Kraft hat die Schneeoberfläche zu erwärmen, die Nächte aber noch klar und kalt sind (eine Grundvoraussetzungen für die Bildung von aufgefirntem Schnee), dann wird über Nacht die spätestens nachmittags feuchte Schneedecke hart gefroren. Morgens durch die ersten Sonnenstrahlen erwärmt sich diese Schneedecke und die gefrorene Schneeoberfläche bildet nach kurzer Zeit graupelartigen, grobkörnigen Gries-Schnee, der allgemein als Firn bezeichnet wird. Die bis zu mehrere Millimeter großen Griesschneekugeln bilden jenen rauschenden und leicht zu fahrenden Untergrund, der für ein unvergleichliches Schierlebnis sorgt. Selbst ungeübte Schifahrer erleben am Firnschnee eine ungekannte Leichtigkeit des Schifahrens. Je nach Hangexposition entsteht dieser Zauberschnee früh am Vormittag oder etwas später gegen Mittag; auf Osthängen sehr zeitig, bei weiter nach Westen geneigten Hängen entsprechend später.
Für Firntouren muss man früh los, desto später im Jahr, umso früher. Man steigt dann oft noch über die hartgefrorene Schneedecke auf, weshalb man immer Harscheisen dabei haben sollte. Richtiges Timing ist wichtig. Steigt man zu früh auf, hat man bei der Abfahrt noch den harten Harschschnee, ist man zu spät dran kommt man in Sulz oder schweren Nassschnee. Auch die Lawinengefahr steigt dann sehr schnell an, während man bei Firnschnee relativ stabile Hangkonditionen erwarten darf.
Checkliste für Skitouren
Nicht alles hier angeführte ist immer notwendig. Aber so vergisst du nichts. Empfehlung: Alles möglichst schon am Tag davor vorbereiten und überprüfen!
Hilfsmaterial zur Orientierung
- Karte mit Tourenbeschreibung (mind. 1:50000, besser 1:25000)
- Kompass und Höhenmesser bzw. GPS-Gerät, bei Bedarf ein Steigungsmesser oder eine Skala zum Abschätzen der Hangneigung
- Kopflampe mit geladenen Batterien / Ersatzbatterien
Kleidung und Skiausrüstung
- Tourenkleidung (abhängig von Wind und Wetter):
- Haube / Stirnband / Sturmhaube / Handschuhe
- Sonnenbrille und Skibrille
- Rucksack mit Skibefestigung
- Touren-Ski mit Tourenbindung, Steigfellen und Harscheisen
- Touren-Skistöcke
- Touren-Skischuhe
- Ersatzkleidung zum Wechseln z.B. am Gipfel zur Abfahrt, - Ersatzhandschuhe
Sicherheitsausrüstung
- Erste Hilfe Set mit Rettungsdecke
- Handy mit vorprogrammierten Notrufnummern (Bergrettung)
- Lawinenverschütteten-Suchgerät (LVS) mit Ersatzbatterien
- Schneeschaufel, Lawinensonde
- Helm
Optionen für ein Plus an Sicherheit
- Lawinen Airbag (ABS-Rucksack) mit gefüllter Kartusche
- Lawinenballon (schnelleres Finden des Verschütteten)
- Avalung (Weste mit Atemschutz)
- Biwaksack
Sonstiges
- Taschenmesser / Schraubenzieher (für Jause, Einstellungen etc.)
- Sonnenschutz / Lippenschutz
- Thermoskanne mit Tee, Kaltgetränk; Jause / Imbiss
- Fotoapparat
- Bleistift und Papier
- Kopie der Versicherungskarte
- Geld für Mautgebühren und Hüttenbesuch
Außerdem im Vorfeld prüfen
- Wetter (aktuelles Wetter stabil / unstabil? Wetter der letzten Tage?)
- Schneelage (Neuschnee? Temperaturänderungen? Windverfrachtungen?)
- Lawinengefahr abfragen über Webseite oder Telefon / Hanglage berücksichtigen
- Zu wählende Route rechtzeitig überlegen / festlegen
- Handhabung von Kompass, Höhenmesser, Lawinensuchgerät etc. rechtzeitig überprüfen / üben
- Zustand und Vollständigkeit der Ausrüstung (Bindung richtig eingestellt/ Felle mit gutem Kleber, stabil einstellbare Stöcke; Rest siehe obige Liste)
Bergrettung: 140 · EU-Notruf: 112 · Lawinenlage: 0662-1588
Hat das Handy keine Netzverbindung:
Anstelle des PIN die 112 eingeben und dann die 112 anrufen (geht auch ohne SIM Karte)
Allgemeines zur Lawinengefahr
Die wichtigste Information für die Tourenplanung ist die allgemein herrschende und die im Tourengebiet tatsächlich vorhandene Lawinengefahr. Beim Tourenfahren bewegt man sich in der freien Natur und im exponierten Gelände. Die aktuell vorhandene Lawinengefahr ist von vielfachen Faktoren abhängig, welche miteinander in Beziehung stehen. Vorhersagen zur Lawinengefährlichkeit stellen daher nur Anhaltspunkte und Wahrscheinlichkeiten dar, es gibt keine absolute Sicherheit. Lawinen sind bekanntermaßen lebensgefährlich, und nichts sollte einen dazu zwingen sich unnötig in Lebensgefahr zu begeben. Hat man Zweifel an der Stabilität oder Sicherheit eines Hanges, sucht man sich besser ein weniger lawinengefährdetes Gebiet.
Auch die Sicherheitsausrüstung wie Lawinenpiepser oder Lawinen Airbag verhindern keine Lawinen, sondern sind nur Hilfsgeräte für den Notfall. Immer sollte man für den Notfall vorbereitet sein, auch wenn rein statistisch gesehen den meisten Tourengehern das Erlebnis von einer Lawine erfasst zu werden erspart bleiben wird.
Gefahrenstufen und maximale Steilheit
- STUFE 1: Die Schneedecke ist allgemein gut verfestigt und stabil.
- STUFE 2: Die Schneedecke ist an einigen Steilhängen nur mäßig verfestigt, sonst allgemein gut verfestigt. Es sollten grundsätzlich keine Abfahrten mehr bei Hangneigungen >40° erfolgen.
- STUFE 3: Die Schneedecke ist an vielen Steilhängen nur mäßig bis schwach verfestigt. Es sollten grundsätzlich keine Abfahrten mehr bei einer Hangneigung >30° erfolgen.
- STUFE 4: Die Schneedecke ist an den meisten Steilhängen schwach verfestigt. Es sollten grundsätzlich keine Abfahrten mehr bei einer Hangneigung >25° erfolgen.
- STUFE 5: Die Schneedecke ist allgemein schwach verfestigt und weitgehend instabil. Auf Schitouren sollte generell verzichtet werden oder nur sehr flaches Gelände befahren werden.
Die Angaben zur maximalen Steilheit bedeuten nicht, dass Abfahrten unter der angegebenen Hangneigung ungefährlich sind. Immer muss zusätzlich die individuelle Situation betrachtet werden.
Beurteilung der Lawinengefahr
Die aktuelle Lawinengefahr ist von zahlreichen Faktoren abhängig: Lage und Steilheit des Hanges, Geländeform, Untergrundbeschaffenheit des Hanges, Schneedeckenaufbau, Wetterverlauf der letzten Tage, Temperatur, Wind und Neuschneemenge.
Folgende Punkte sollten immer betrachtet werden, um die Lawinengefahr zu beurteilen:
- Bei Steilabfahrten (>25° Hangneigung) besteht grundsätzlich Lawinengefahr. Besonders im freien und baumlosen Gelände. 97% aller Lawinenunfälle passieren in Hängen mit >30° Neigung.
- Nach ausgiebigen Schneefällen (>30cm) steigt die Gefahr sprunghaft an. Der erste schöne Tag nach grösseren Schneefällen ist besonders gefährlich. Erst nach 2 bis 3 Tagen Sonneneinstrahlung oder Wärme setzt sich der Neuschnee und verbindet sich mit den darunterliegenden Schneeschichten.
- Welche Hangrichtung ist anhand der Wetter- und Lawinenbedingungen sowie Sonneneinstrahlung günstiger, welche sollten besser vermieden werden? Dies ist speziell für die Abfahrt zu beachten. Besondere Vorsicht gilt in Schattenhängen, dort kann es länger dauern bis sich die Schneeschichten stabilisieren. Über 60% aller Lawinenunfälle ereignen sich im Bereich Nordwest - Nord - Nordost.
- Schneeverfrachtung durch Wind führt zur Anhäufung großer Schneemassen und zur Schneebrettgefahr an den vom Wind abgewandten Seiten. Meist sind das die Ost/Nordost/Südost-Hänge. Die dem Wind zugewandten Seiten werden dabei entsprechend abgeweht. Sprichwort: "Der Wind baut Lawinen"
- Welches Wetter war in den letzten Tagen und wie hat sich das auf die Schneebeschaffenheit ausgewirkt? Wie war die Unterlage vor Neuschneefällen? Wie ist die Wettervorhersage? Welche Lawinenwarnstufe herrscht?
- Tages-Temperaturverlauf beachten. Durch Wärme und Sonneneinstrahlung kann sich im Tagesverlauf z.B. von vormittags bis nachmittags die Lawinengefahr beträchtlich erhöhen.
- Auch im flacheren Gelände kann es z.B. im Auslauf von steilerem Gelände lawinengefährlich sein.
Manchmal hört man unterwegs markante Wumm-Geräusche. Diese bilden sich beim abrupten Setzen der Schneedecke, wenn das Kristallgefüge in einer Schwachschicht zusammenbricht. Sie sind ein Zeichen einer instabilen Schneedecke und oft verbunden mit Rissbildung. Wiederholte Wummgeräusche gelten als deutliches Alarmzeichen.
Eine 100% zuverlässige Aussage über die Lawinensicherheit eines Hanges ist leider nicht möglich. Die aktuelle Risikosituation kann aber in der Regel schon beurteilt werden. Dazu wird vor der Schitour auch eine Anfrage beim Lawinenwarndienst empfohlen.
Die Angaben zur Lawinengefahr auf dieser Webseite sind zwar nach bestem Wissen und Gewissen erstellt worden, stellen allerdings nur eine allgemeine Beurteilung dar und es kann natürlich keinerlei Gewähr für die Angaben übernommen werden.
Weitere Risikokriterien
Das größte Risiko ist wie so oft der Mensch. Immer wieder sieht man auch bei hoher Lawinengefahr Fahrer im freien und steilen Gelände. Erfahrung und Vernunft sind die beste Basis für sicheres Tourenschifahren.
Einheimische Touren- oder Bergführer kennen auch den Untergrund des Hanges unter dem Schnee und wissen wo die üblichen Lawinenabgänge stattfinden. Außerdem beobachten diese Leute wochenlang die Verhältnisse und können so eine wesentlich zuverlässigere Beurteilung erreichen. Für Ortsfremde oder wenn man sich im Gelände unsicher fühlt ist es daher immer empfehlenswert einen Tourenführer anzuheuern. Die Tourenführer kennen natürlich in der Regel auch die besten und lohnendsten Abfahrten.
Informationen zur Lawinengefahr erhält man auch bei Hüttenwirten, der Polizei und der örtlichen Bergrettung. Auch von der nächstgelegenen Unfall-Meldestelle.
Die beste Vorbeugung gegen Lawinengefahr ist "Im Zweifelsfall nie". Dann lieber zu Hause bleiben oder auf eine Tour ausweichen wo die allgemeine Lawinengefahr gering ist.
Ausbildung und Kurse
Es gibt Lawinen-Fachkurse, bei denen man die bestmögliche Einschätzung und Beurteilung der Lawinengefahr erlernen kann. Seriöse Kurse sind normalerweise verbunden mit Praxisübungen im Gelände und Anleitungen zum Beobachten und Verhalten bei Schitouren. Abgehalten werden solche Kurse z.B. von Alpenvereinen oder den Naturfreunden. Erkundige dich über aktuelle Kursangebote bitte auf den Webseiten der Vereine. Nur die Praxis bringt sicheres Handeln im Notfall!
Auch ein Erste Hilfe Kurs ist zu empfehlen, bei dem man lernt Lawinenopfer bestmöglich vor Ort zu versorgen. Dabei kann man zeigen dass man nicht nur an sich selbst denkt.
Verhalten am unsicheren Hang
Muss man trotz aller Vorsichtsmaßnahmen einen unsicher aussehenden Hang befahren, sind folgende Verhaltensregeln anzuwenden:
- Immer einzeln mit ausreichend Abstand abfahren. Die anderen warten und beobachten an sicherem Geländepunkt.
- Fangriemen öffnen, Hände aus den Schischlaufen. Noch mal überprüfen ob Lawinenpiepser und sonstige Sicherheitseinrichtung einsatzbereit ist.
- Beim Abfahren nicht stehenbleiben und wenn möglich so fahren dass die Schneedecke möglichst gering belastet wird. So rasch wie möglich den Gefahrenbereich verlassen.
Verhalten bei Lawinenabgang
Wenn dich eine Lawine zu erfassen droht, bleiben Sekunden. Eine Garantie gibt es für nichts — aber die Überlebenschance steigt, je flacher du verschüttet wirst und je eher du Luft bekommst.
Was sich nicht bewährt hat: Die früher oft empfohlene Schussflucht, also das Wegfahren in der Falllinie, gelingt selten — Lawinen sind schnell, und meist bricht der ganze Hang auf. Das Reiten auf der Lawine mit Ski ist nur wenigen geglückt. Schwimmbewegungen im Schnee halten Verschüttete im Rückblick für wirkungslos.
Was hilft:
- Seitlich heraus, wenn du am Rand des Hanges stehst. Weg von den Schneemassen ist besser als vor ihnen her.
- Rettungsmittel sofort auslösen. Beim Lawinen-Airbag zündet der Zug am Auslösegriff eine Gaspatrone, die ein oder mehrere Luftkissen am Rucksack aufbläst — das hält dich eher an der Oberfläche. Die Avalung ist eine Art Schnorchel für den Mund: Sie lässt dich unter dem Schnee weiteratmen und leitet die Ausatemluft am Rücken ab, was die Erstickungsgefahr verringert.
- Ski, Snowboard und Stöcke loswerden. Sie wirken in der Lawine wie ein Anker und ziehen dich tiefer hinein. Aus demselben Grund gehören Fangriemen nicht an die Bindung — sie wirken wie eine Ankerkette.
Meist sind Begleiter dabei, die nicht erfasst wurden, und ihre Hilfe entscheidet. Die Überlebensrate fällt steil, und die Bergrettung braucht allein wegen Alarmierung und Anfahrt in der Regel länger als eine Viertelstunde. Deshalb beginnt alles mit genauem Hinsehen: Wo wurde der Verschüttete erfasst, wo war er zuletzt zu sehen? Aus diesen beiden Punkten ergibt sich der Bereich, in dem zuerst gesucht wird. Parallel dazu setzt jemand den Notruf ab.
Lawinenrettung
Zuerst an den Eigenschutz denken — Nachlawinen sind eine reale Gefahr. Dann zügig in dieser Reihenfolge:
- Oberfläche absuchen. Kleidungsstücke oder Ausrüstungsteile, die herausschauen, führen manchmal unmittelbar zu einem Teilverschütteten.
- Gleichzeitig mit dem LVS suchen. Alle Suchenden schalten ihr Gerät von Senden auf Empfangen — wirklich alle, auch das vergessene im Rucksack. Sonst sucht die Gruppe sich gegenseitig und verliert die wichtigsten Minuten.
- Mit der Sonde genau orten. Sie zeigt zugleich, wie tief der Verschüttete liegt.
- Unterhalb der Sonde graben und sich waagrecht vorarbeiten, nicht senkrecht von oben.
- Beim Freilegen auf eine Atemhöhle achten und mit Erster Hilfe beginnen.
Ist der Verschüttete unterkühlt, muss er vorsichtig geborgen werden. Wird er zu stark bewegt und der Kreislauf dadurch angeregt, fließt stark abgekühltes, sauerstoffarmes Blut zu den inneren Organen — es droht der sogenannte Bergungstod.
Die Bergrettung verfügt zusätzlich über das RECCO-System und über Lawinensuchhunde. Hunde wären ganz zu Beginn am wirksamsten, bevor jemand den Lawinenkegel betreten hat — was sich in der Praxis kaum je einrichten lässt.
Sicherheitstipps
- LVS-Gerät immer im eingeschalteten Zustand am Körper tragen. Batterien regelmäßig überprüfen
- Umfahren von Triebschnee-Ansammlungen speziell auf der windabweisenden Hangseite (Leeseite)
- Umfahren von sehr steilen Hängen
- Berücksichtigung des tageszeitlichen Temperatur / Sonneneinstrahlungsverlaufes
- Wetterveränderungen beachten, auch Nebel
- Entlastungsabstände von mind. 10m einhalten
- In unsicherem Gelände nur Einzelabfahrten mit sicherer Sammelstelle
- Niemals alleine eine Schitour begehen. Bei einer Lawinenverschüttung kann sonst viel Suchzeit verloren gehen.
- Besondere Vorsicht in Schattenhängen NW-N-NO Lage sowie bei allen Hängen >30° Hangneigung
Literatur
- Werner Munter, 3 x 3 Lawinen, Bergverlag Rother, 2002
- ISBN 3763320601
- Martin Engler: Die weiße Gefahr - Schnee und Lawinen, Verlag Martin Engler, 200
- ISBN 3-9807591-1-3
Lawinenkunde
Die aktuelle Lawinengefahr hängt von vielen Faktoren ab, die miteinander zusammenhängen: Lage und Steilheit des Hanges, Geländeform, Beschaffenheit des Untergrunds, Aufbau der Schneedecke, Wetterverlauf der letzten Tage, Temperatur, Wind und Neuschneemenge. Die Beurteilung ist deshalb ein komplexer Vorgang. Lawinen sind lebensbedrohlich – jährlich sterben durchschnittlich 100 Menschen in den Alpen durch Lawinenabgänge.
Lawinenarten





Schneebrettlawinen
Für Tourengeher sind Schneebrettlawinen die gefährlichste und zugleich häufigste Lawinenart, denn sie werden meist beim Begehen oder Befahren eines Hanges selbst ausgelöst. Sie bestehen aus gebundenem Schnee, oft Triebschnee, der sich an windgeschützten Stellen absetzt. Ein Schneebrett reißt linienförmig und großflächig an, bevorzugt an den steilen Stellen, und gleitet auf der glatten Unterlage blitzschnell zu Tal.
Triebschnee zeigt sich durch eine dünenartig gewellte Oberfläche. Die steile Seite der Dünen zeigt die Windrichtung an. Schneewechten an Graten oder abgeblasene Kämme sind weitere Indikatoren. Besonders gefährlich ist verdeckter Triebschnee durch nachfolgende Schneefälle.


Lawinen durch Schneewechten
Schneewechten entstehen durch Schneeverfrachtung an Plateauabbrüchen oder Geländekanten wie Graten. Sie bilden einen keilförmigen Überhang auf der windabgewandten Seite. Der Wechtenspalt ist meist von Schnee überdeckt und verläuft auf der Windseite unterhalb der Gratkante. Gewichtsbelastung durch frischen Schnee oder Temperaturanstieg können zum Abbrechen führen und Lawinen auslösen, die ins Tal stürzen können.
Staublawinen
Staublawinen entstehen, wenn eine große Schneemasse einen steilen Hang hinabstürzt und dabei immer mehr Schnee aufnimmt. Sie reißen punktförmig an, und die Stirn der Lawine wird dabei beständig höher. Das Schnee-Luft-Gemisch erreicht anfangs etwa 100 km/h und kann sich auf bis zu 300 km/h steigern.
Sie erzeugen gewaltige Luftdruckschwankungen, die für sich genommen schon tödlich sein können, und richten große Zerstörungen an: Bäume knicken ab, Dächer werden abgerissen, Fenster eingedrückt. Das Schnee-Luft-Gemisch in der Lunge führt in der Regel schnell zum Erstickungstod.


Nassschnee-Fließlawinen
Diese entstehen nach längerer Erwärmung und treten deshalb häufig im Frühjahr bei Tauwetter auf. Sie gehen als Grund- oder Fließlawinen zu Tal. Der matschige Schnee fließt mitunter wie ein gewaltiger Strom den Berg hinunter und reißt bei entsprechendem Gefälle alles mit.
Im Frühjahr entstehen auf sonnenbeschienenen Hängen die sogenannten Nassschneerutschen. Sie fließen langsam und sind für Personen deshalb verhältnismäßig ungefährlich.


Lockerschneelawinen
Trockene Lockerschneelawinen: Neuschneekristalle verlieren durch Umwandlung ihre Verzahnung. Gerät dann auch nur ein einzelnes Schneeteilchen an der Oberfläche in Bewegung, kann es seinen talseitigen Nachbarn mitreißen — und der wieder den nächsten. Sie entstehen oft nach Neuschneefall bei windstillem Wetter und gehen auch ohne eigenes Zutun los.
Nasse Lockerschneelawinen entstehen durch starke oberflächliche Erwärmung. Der Schnee wird von Schmelzwasser durchnässt, die Bindung löst sich. Sie bewegen sich langsam, werden nach dem Stillstand aber sehr hart. Meist gelingt es, ihnen auszuweichen — wer doch hineingerät, ist in echter Gefahr.
Beobachtungen/Wummgeräusche
Markante Wumm-Geräusche entstehen, wenn sich die Schneedecke abrupt setzt und das Kristallgefüge in einer Schwachschicht zusammenbricht. Sie deuten auf eine instabile Schneedecke hin und gehen oft mit Rissbildung einher. Wiederholte Wummgeräusche gelten als deutliches Alarmzeichen.
Die Beobachtung von Lawinenabgängen in der Umgebung weist ebenfalls auf erhöhte Lawinengefahr hin.
Kleine Schneekunde
Schnee lässt sich nach mehreren Kriterien einteilen. Für die Tourenplanung zählen vor allem zwei: wie alt der Schnee ist und wie viel Wasser er enthält.
Alter
- Neuschnee liegt höchstens drei Tage. Seine Kristalle sind noch fein verästelt und haben spitze Zacken, die ineinandergreifen.
- Altschnee liegt länger. Temperatur und das Gewicht der darüberliegenden Schichten haben die Zacken abgerundet, die Verzahnung ist entsprechend schwächer.
- Harsch entsteht, wenn die Oberfläche schmilzt und wieder gefriert: oben eine harte Kruste, darunter bleibt der Schnee pulvrig. Wie tragfähig die Kruste ist, hängt an ihrer Dicke — bei dünnem Harsch bricht man bei jedem Schwung durch.
- Firn ist der Schnee, wegen dem man im Frühjahr früh aufsteht. Durch wiederholtes Auftauen und Gefrieren sind aus den feinen Kristallen grobe Körner geworden. Die Dichte liegt über 0,6 g/cm³, die Oberfläche trägt zuverlässig, und unter den Skiern rauscht es.
Feuchtigkeit
- Pulverschnee ist trocken. Er klebt auch dann nicht zusammen, wenn man ihn in der Hand zusammendrückt.
- Feuchtschnee pappt beim Zusammendrücken zusammen, Wasser lässt sich aber keines herauspressen. Daher der Zweitname Pappschnee.
- Nassschnee oder Sulz ist schwer und nass; drückt man ihn zusammen, tritt Wasser aus. Firn wird bei längerer Wärme zu Sulz — genau deshalb lohnt der frühe Start.
- Faulschnee ist der letzte Zustand: grobe Brocken in Wasser, die nicht mehr zusammenhalten. Umgangssprachlich Schneematsch.
Dichte
Frisch gefallener Schnee ist sehr leicht; mit der Zeit setzt er sich und wird dichter. Die Angabe in Klammern sagt, wie hoch 100 kg Schnee auf einem Quadratmeter aufgeschichtet wären — bei Neuschnee zwei bis drei Meter, bei Eis gut zehn Zentimeter.
| Dichte | Bezeichnung / Beschreibung |
|---|---|
| 30–50 kg/m³ | trockener, lockerer Neuschnee (100 kg sind auf einem m² ca. 2–3 m hoch) |
| 50–100 kg/m³ | gebundener Neuschnee (100 kg sind auf einem m² ca. 1–2 m hoch) |
| 100–200 kg/m³ | stark gebundener Neuschnee (100 kg sind auf einem m² ca. 0,5–1 m hoch) |
| 150–300 kg/m³ | Schwimmschnee (100 kg sind auf einem m² ca. 30–70 cm hoch) |
| 200–400 kg/m³ | trockener Altschnee (100 kg sind auf einem m² ca. 25–50 cm hoch) |
| 300–500 kg/m³ | feuchtnasser Altschnee (100 kg sind auf einem m² ca. 20–35 cm hoch) |
| 500–800 kg/m³ | mehrjähriger Firn (100 kg sind auf einem m² ca. 12–20 cm hoch) |
| 800–900 kg/m³ | Eis (100 kg sind auf einem m² ca. 11–12 cm dick) |
Schneeschmelze
Schnee baut sich ab, sobald Energie dazukommt: Sonnenstrahlung, Wärmestrahlung aus einer tiefen Wolkendecke, Luft über null Grad — oder Regen, der wärmer ist als der Schnee.
Wie schnell das geht, hängt nicht nur von der Wärme ab, sondern auch von der Luftfeuchtigkeit. Das ist der für die Tourenplanung interessante Teil. Bei trockener Luft geht ein Teil des Schnees direkt in Wasserdampf über, ohne vorher flüssig zu werden. Dieser Übergang verbraucht Energie und kühlt den übrigen Schnee dabei ab — der Abbau läuft deshalb langsam, und die Schneedecke bleibt trocken. Das funktioniert sogar bei mehreren Plusgraden, wenn die Luft nur trocken genug ist.
Ist die Luft feucht, fällt diese Bremse weg. Der Schnee schmilzt, und bei richtig feuchter Luft taut er nur noch: Er wird vollständig zu Wasser, und das geht am schnellsten. Als grober Anhaltspunkt bei mittlerer Luftfeuchte um 50 Prozent — unterhalb von etwa 3,5 Grad verdunstet der Schnee überwiegend, zwischen 3,5 und 10 Grad schmilzt er, darüber taut er.
Für die Praxis heißt das: Ein sonniger Tag mit trockener Luft kostet die Schneedecke deutlich weniger als ein trüber, schwüler Tag bei ähnlicher Temperatur. Und es erklärt, warum im Frühjahr aus gutem Firn innerhalb einer Stunde schwerer Sulz werden kann, sobald die Luftfeuchtigkeit steigt.
Schneekristalle

Wer noch tiefer einsteigen will: Der Wikipedia-Artikel Schnee behandelt Entstehung, Kristallformen, Messung und Schneedeckenaufbau ausführlich.
Tagesaktuell, vor jeder Tour zu prüfen.